
Bild 1: UHF-Doppelbuchse "PL 258 NP"
Vor einiger Zeit kaufte ich diverse Produkte bei einem Händler für Kabel und Steckverbinder im Ruhrgebiet. Darunter waren auch sogenannte UHF-Doppelbuchsen, besser bekannt als “PL Doppelweib”. Zwei dieser Doppelbuchsen hatte ich übergangsweise in der Zuleitung zu einem 40m/80m Dipol in Gebrauch. Vor kurzem bemerkte ich ein unstetiges SWR beim Senden in Verbindung mit 750 Watt Ausgangsleistung. Der Balun oder die Traps des Dipols schieden als Fehlerquelle aus, ebenso das Koaxkabel oder die Steckverbinder. Als ich mir die UHF-Doppelbuchsen allerdings näher anschaute bemerkte ich im Inneren statt dem beworbenen “vergoldetem Mittelstift” eher ein unansehnlich dunkles Irgendwas.
In der mit zärtlicher Gewalt auseinander gebauten Doppelbuchse fand ich als Innenleiter ein zu zwei Buchsenkontakten rund gebogenes Messingblech mit einem eckigem Mittelstück. Der unterdimensionierte Übergang zwischen Buchsenkontakt und Mittelstück war nahezu weggebrannt. Den Innenleiter im Originalzustand kann man in Bild 2 bewundern. Da mein Arbeitgeber über ein gut ausgestattetes Materialprüfungslabor verfügt untersuchte ich ein neues Exemplar mal etwas genauer.

Bild 2: Innenleiter des PL 258 NP
Der dünne Steg zwischen Buchsenkontakt und Mittelstück hat einen Querschnitt von 0,7 mm². Das Grundmaterial besteht laut einer durchgeführten Röntgenfluoreszenzanalyse aus CuSn6 (Messing). Die Oberfläche besteht aus einer 0,5 µm starken Schicht Gold unter der sich eine 1,5 µm starke Schicht Nickel befindet. Das verwendete Messing wird fast nur noch in China verwendet und verarbeitet. Es ist aus elektrotechnischer Sicht sehr unedel (nur ca. 15 % Kupfer und 85 % Zink) und hat somit einen vergleichsweisen hohen spezifischen Widerstand. Die Grunddierung aus Nickel verschlechtert die HF-Eigenschaften zusätzlich, da Nickel ein ferromagnetischer Stoff ist. Die relative Permeabilität ist deutlich größer als 1 (bis zu 1000). Die effektive Leitschichtdicke (dort wo durch den Skin-Effekt der HF-Strom fließt) wird dadurch verringert was die HF-Leitfähigkeit reduziert. Die aufgebrachte Goldschicht hat mit einer Stärke von 0,5 µm keinen wirklichen hochfrequenztechnischen Nutzen. Bei einer Frequenz von 7 MHz beträgt die Leitschichtdicke in Messing ca. 50 µm. Das Gold dient hier lediglich als Oxidationsschutz (und vermutlich zu Werbezwecken). Überschlagsmäßig beträgt der effektive Querschnitt in dem der HF-Strom fließt ca. 0,25 mm². Der Nennstrom für einen Kupferleiter mit diesem Querschnitt liegt bei ca. 4 A. Hier kommt man bei QRO dann in den Grenzbereich, zumal wir hier kein reines Kupfer haben. Ist dann auch noch das SWR nicht 1,0 knallt es mitunter auch früher.
Es ist zu bezweifeln, dass dieser Steckverbinder mit diesem geometrischen Aufbau einen Wellenwiderstand von 50 Ohm hat wie er in heutigen Funkanlagen eigentlich üblich ist. Der Hersteller macht sich aber offensichtlich gezielt zu Nutzen, dass der Wellenwiderstand für UHF-Steckverbinder nicht definiert ist. Falls mir jemand nochmal so ein “PL-Doppelweib” zur Verfügung stellen möchte vermesse ich es gerne am Netzwerkanalysator.
Eine Alternative zu dieser minderwertigen UHF-Doppelbuchse ist die UHF-Kupplung “PL 258 Bu-Bu” der Firma Telegärtner (Artikelnummer J01042A0637). Sie kostet nicht mal 2 € mehr und ist qualitativ wesentlich hochwertiger. Das Grundmaterial von Innen- und Außenleiter ist Messing mit hohem Kupferanteil (ca. 60 %) und Oberflächen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung (CuNi) mit lediglich 5 % Nickel bzw. Silberbronze (CuAg). Aber eigentlich sollte man auf diese “Grammophonstecker mit Sägezahn” (tnx DF9IC) grundsätzlich verzichten und besser N-Steckverbinder einsetzen.